Im Matthäusevangelium ist uns ein Gleichnis Jesu überliefert, das sich so in den anderen Evangelien nicht findet. Das Gleichnis spricht sicherlich viele von uns an, provoziert Zustimmung und Widerspruch sowohl auf der Bildebene (dem dargestellten Sachverhalt) als auch auf der Inhaltsebene (der Beschreibung des Himmelreiches).

Der Text des Gleichnisses in drei Übersetzungen:

Den Text können Sie auch in der entsprechenden Bibel nachlesen – die Überschrift in der nächsten Zeile ist zugleich der Link zu den Bibelübersetzungen auf der Seite der Deutschen Bibelgesellschaft.
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Lutherbibel

Jesus sagt

1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.
2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen
4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.
5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.

6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?
7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.
9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen.
11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn
12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.

13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?
14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.
15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?

16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Einheitsübersetzung

Jesus sagt:

1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

3 Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten.
4 Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.
5 Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.

6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!
9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.
10 Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar.
11 Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn
12 und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.

13 Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?
14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?

16 So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Basisbibel

Jesus sagt:

1 »Das Himmelreich gleicht einem Grundbesitzer: Er zog früh am Morgen los, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen
2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Lohn von einem Silberstück für den Tag. Dann schickte er sie in seinen Weinberg.

3 Um die dritte Stunde ging er wieder los. Da sah er noch andere Männer, die ohne Arbeit waren und auf dem Marktplatz herumstanden.
4 Er sagte zu ihnen: ›Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen. Ich werde euch angemessen dafür bezahlen.‹
5 Die Männer gingen hin. Später, um die sechste Stunde, und dann nochmal um die neunte Stunde machte der Mann noch einmal das Gleiche.

6 Als er um die elfte Stunde noch einmal losging, traf er wieder einige Männer, die dort herumstanden. Er fragte sie: ›Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?‹
7 Sie antworteten ihm: ›Weil uns niemand eingestellt hat!‹ Da sagte er zu ihnen: ›Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!‹

8 Am Abend sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: ›Ruf die Arbeiter zusammen und zahl ihnen den Lohn aus! Fang bei den Letzten an und hör bei den Ersten auf.‹
9 Also kamen zuerst die Arbeiter, die um die elfte Stunde angefangen hatten. Sie erhielten ein Silberstück.
10 Zuletzt kamen die an die Reihe, die als Erste angefangen hatten. Sie dachten: ›Bestimmt werden wir mehr bekommen!‹ Doch auch sie erhielten jeder ein Silberstück.
11 Als sie ihren Lohn bekommen hatten, schimpften sie über den Grundbesitzer.
12 Sie sagten: ›Die da, die als Letzte gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet. Aber du hast sie genauso behandelt wie uns. Dabei haben wir den ganzen Tag in der Hitze geschuftet!‹

13 Da sagte der Grundbesitzer zu einem von ihnen: ›Guter Mann, ich tue dir kein Unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf ein Silberstück als Lohn geeinigt?
14 Nimm also das, was dir zusteht, und geh! Ich will dem Letzten hier genauso viel geben wie dir.
15 Kann ich mit dem, was mir gehört, etwa nicht das machen, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich so großzügig bin?‹

16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.«

Leitfragen

Diese Leitfragen sollen dazu dienen, dass Sie sich den Text und die eigenen Gedanken dazu bewusst zu machen.

Beim ersten Lesen:
  • Worin spricht mich das Gleichnis an?
  • Was ärgert mich?
Wenn ich mich in die Personen versetze:
  • Warum handele ich als Grundbesitzer so? / Warum könnte ich als Grundbesitzer nicht so handeln?
  • Wie geht es mir als Arbeiter*in, der/die von morgens bis abends gearbeitet habe?
  • Wie geht es mir als Arbeiter*in, der/die erst zur 11. Stunde gekommen ist?
  • Was denke ich als Verwalter, der den Lohn auszahlt?
Der Text in meiner gegenwärigen Situation
  • Was spricht mich in meiner gegenwärtigen Situation besonders an?
  • Was stört mich an dem Gleichnis?
  • Gewinnt das Gleichnis eine besondere Bedeutung jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie?
Textdeutung
  • Was will Jesus mit diesem Gleichnis veranschaulichen?
  • Was ist für mich die Botschaft des Textes?
Teilen Sie anderen bitte Ihre Gedanken und Empfindungen zu diesem Text mit – nehmen Sie von den Gedanken anderer etwas für sich mit.
Gottes Segen wünsche ich Ihnen für Ihre Auseinandersetzung mit dem Text und seiner Botschaft.

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Kai Uwe Schröter
Kai Uwe Schröter
1 Monat zuvor

Mein erster Eindruck: das ist ungerecht, dass diejenigen, die nur kurz arbeiten, genauso viel bekommen wie diejenigen, die den ganzen Tag schuften. Warum handelt der Gutsbesitzer so willkürlich? Doch warum haben die Menschen teilweise den ganzen Tag auf dem Markt gestanden? Es scheint doch so zu sein, dass sie niemand eingestellt hat. Wie geht es den vielen heute, die wegen der Corona-Pandemie keine Arbeit haben, kein Einkommen, Existenznöte? Ist es da nicht gut, wenn jemand sagt: Du bekommst so viel wie du brauchst, unabhängig davon, was du leistest? – und das bedeutet auch: unabhängig von dem, was du leisten kannst,… Weiterlesen »

Adelheid Schaefer
Adelheid Schaefer
1 Monat zuvor

Auch mein erster Eindruck ist, das ist ungerecht! Am besten kommen die Arbeiter am nächsten Tag auch erst gegen abend, wenn sie dann genau so viel verdienen wie die, die den ganzen Tag schuften. Oder geht es darum : „Mein Lohn ist, das ich darf“ ? Ist es ein Privileg im Reich Gottes zu arbeiten- denn damit ist in diesem Gleichnis der Garten wohl gemeint. Hat Luther aus diesem Gleichnis seine Erkenntnis entnommen.: Du kannst Dir das Reich Gottes nicht erarbeiten mit z.B. guten Werken. Allein die Gnade Gottes spricht es Dir zu! Auch der Verbrecher , der mit Jesus… Weiterlesen »